Gothic Night

Es war ein Freitagabend - Freitag der dreizehnte. Doch es war kein gewöhnlicher Freitag der dreizehnte. Es war Vollmond. Die Nacht war wunderschön und sternenklar. Ich blickte nach draußen, lauschte, atmete tief ein. Solche Nächte liebte ich. Es war, als würde mich eine magische Kraft rufen, mich zu einem Streifzug einladen. Ich streifte meinen Mantel über und ging nach draußen. Kaum ein Mensch war um diese Zeit unterwegs. Langsam ging ich durch die Gassen, die von leichten Nebelschwaden durchzogen waren. An einer Laterne erblickte ich ein Plakat: "Gothic Night", heute Nacht, in einer alten Lagerhalle ganz in der Nähe. Ein Lächeln legte sich auf mein Gesicht. Dies schien meine Glücksnacht zu sein. Ohne lange zu zögern machte ich mich auf den Weg.

Schon von weitem war die Musik zu hören - eine Mischung aus Darkwave und Gothic. Ich konnte laute Musik nicht leiden. Sie schmerzte in meinen Ohren. Doch für eine solche Nacht nahm ich es in Kauf. Für einen Moment schloss ich die Augen und konzentrierte mich darauf, mich der Lautstärke anzupassen, bevor ich die Halle betrat. Sie war gut gefüllt, vermutlich mit einigen Hundert Menschen. In der Mitte wurde getanzt. An der Seite standen ein paar Gothics, tranken etwas, unterhielten sich. Einige Paare gleichen und verschiedenen Geschlechts küssten sich und gaben sich Berührungen hin. Ich ging an ihnen vorbei, ohne sie weiter zu beachten. Ein Mann ging herum und schien etwas zu verkaufen, wahrscheinlich Drogen. Er kam auf mich zu. Ich blickte fest in seine Augen. Schnell wandte er sich ab und ging in eine andere Richtung. Eine Treppe führte zu einer höheren Ebene, von der aus man die Tanzfläche gut sehen konnte. Ich ging nach oben, stützte meine Hände auf das Geländer und blickte auf die tanzende Menge. Sie wirkten wie Schafe. Schwarze Schafe vielleicht, aber dennoch Schafe. Ich lächelte. Wenn jetzt ein Wolf dazu käme...

In einer Ecke der Halle stand eine junge Frau. Sie war allein. Sie tanzte nicht. Stattdessen hielt sie ein Glas in der Hand. Ich sah sie mir etwas genauer an. Sie war einen Kopf kleiner als ich, sehr schlank und außerst schön. Ihre Haare waren schwarz und reichten ihr bis zur Hüfte. Sie trug schwarzen Lippenstift und Kajal. An ihrer rechten Hand trug sie einen Ring, der mit einem Granat besetzt war. Ihre Kleidung war sehr aufreizend. Sie trug schwarze Samthandschuhe und ein dunkles, durchscheinendes Top, durch das man ihren schwarzen BH sehen konnte. Dazu trug sie einen schwarzen Minirock, schwarze Netzstrümpfe und Stiefel in der gleichen Farbe. Ich war nicht der einzige, der sie bemerkte. Ein paar Männer warben um sie, doch sie wirkte nicht interessiert. Gelangweilt nippte sie an ihrem Glas und blickte auf die Tanzfläche. Auf einmal blickte sie nach oben, als hätte sie gespürt, dass ich sie beobachte. Sie lächelte. Ich lächelte zurück und beschloss, zu ihr zu gehen.

Als ich mich ihr näherte, erfüllte der Duft von Patchoulie meine Sinne. Sie schien einen sehr guten Geschmack zu haben. Langsam ging ich auf sie zu und sah sie mir von oben bis unten an. Sie lehnte sich mit dem Rücken an eine Säule, hatte ihr linkes Bein angewinkelt und blickte zu mir. In ihrem Blick lag etwas verführerisches, fast wie das Funkeln eines schwarzen Diamanten. "Keine Lust zu tanzen?" fragte ich sie mit einem Lächeln. Sie schüttelte den Kopf. "Nicht allein." antwortete sie. Ihre Stimme war hell, klar und streichelte meine schmerzgeplagten Ohren. Ich blickte tief in ihre kastanienbraunen Augen. "Eine schöne Frau sollte nicht allein sein." erwiderte ich. Sie lächelte. Doch zugleich konnte ich eine gewisse Anspannung in ihren Augen sehen. Auch ihre Lippen schienen leicht zu vibrieren und ich spürte, wie ihr Atem etwas schneller wurde. "Ich hatte auch nicht vor, allein zu bleiben..." sagte sie mit einem verführerischen Unterton und zwinkerte mir zu. Ich erwiderte ihr Lächeln. "Das trifft sich gut - ich auch nicht." antwortete ich, ohne den Blick von ihren Augen zu lösen. Sie nahm einen Schluck aus ihrem Glas und leckte sich über die Lippen. "Möchtest du auch mal probieren...?" fragte sie und kam ein Stück auf mich zu. "Sehr gerne sogar..." war das letzte, das ich sagen konnte, bevor sie ihr Glas austrank, mir noch näher kam und ihre Lippen auf meine legte. Sofort öffnete sie sie und ich konnte spüren, wie ihre Zunge nach meiner suchte. Ich ging auf den Kuss ein, öffnete meine Lippen, ließ meine Zunge mit ihrer spielen. Ihr linkes Knie streifte mein Bein. Ich legte eine Hand auf ihre Hüfte, die andere in ihren Nacken. Immer sinnlicher wurde ihr Zungenspiel. Sie presste sich eng an mich. Ich berührte ihren Hals, konnte ihren Herzschlag spüren, schnell und kräftig. Es gefiel mir.

"Wollen wir nicht woanders hingehen?" fragte ich sie, als wir unsere Lippen wieder voneinander gelöst hatten. Das Feuer, das tief in ihren Augen loderte, verriet mir ihre Antwort, bevor sie sie ausgesprochen hatte. "Unbedingt..." sagte sie leise und voller Leidenschaft. Sie stellte ihr Glas ab und begleitete mich aus der Halle. Der Nebel war dichter geworden und machte es nicht ganz leicht, in dem Gewirr von Gassen den richtigen Weg zu finden. Doch ich wusste genau, wohin ich wollte. Sie folgte mir. "Wie weit ist es noch?" fragte sie und ich konnte spüren, dass sie nicht länger warten wollte. "Nicht weit." antwortete, blickte zu ihr und zwinkerte ihr zu. Sie lächelte. Als wir in eine dunkle Seitengasse eingebogen waren, hielt ich an und sah mich um. "Lass uns doch einfach hier bleiben..." flüsterte sie, kam mir ganz nahe und ließ ihre Hände an meinem Oberkörper aufwärts gleiten. Ich lächelte sie an und blickte so tief in ihre Augen, das es fast schien, als würde ihr Herz für einen Moment zu schlagen aufhören. Behutsam zog ich sie in einen dunklen Hauseingang, legte meine Hand hinter ihren Kopf, drückte sie vorsichtig gegen die Wand und küsste sie. Ohne Widerstand fügte sie sich mir, schlang ihre Arme um meinen Hals und erwiderte meinen Kuss sehr sinnlich. Sie hielt sich an mir fest und schlang ihre Beine um meine Hüfte. Sinnlich saugte ich an ihren Lippen, küsste ihren Mund und schließlich ihren Hals. Ihr Atem und ihr Puls wurden immer schneller. Ich spürte, dass sie nicht länger warten wollte. Ich wollte es auch nicht...

Mit einem Mal schlug ich meine Zähne in ihren Hals. Sie war so überrascht davon, dass sie nicht einmal schreien konnte. Mein Biss wurde fester. Süßes Blut strömte aus ihrer Halsschlagader. Ich saugte daran. Es schmeckte sehr gut, jung, frisch, rein - ohne den Beigeschmack von Drogen oder Medikamenten. Nur ein wenig Alkohol war darin, aber zum Glück nicht sehr viel. Vermutlich hatte sie nur ein Glas getrunken. Ich saugte fester und schluckte ihr Blut begierig herunter. So eine gute Mahlzeit hatte ich schon lange nicht gehabt. Ich konzentrierte alle meine Sinne darauf. Sogar ihre Erregung konnte ich in ihrem Blut schmecken. Das gab ihm eine ganz besondere Note, einzigartig und unverwechselbar. Ich atmete ihren Duft tief ein, genoss jede Sekunde. Allmählich wurde ihr Herzschlag flacher. Ich biss sie noch etwas fester, saugte noch mehr an ihr, doch mit der Zeit ließ ihr Blutstrom nach. Ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen. Langsam löste ich meinen Biss und leckte die letzten Tropfen ihres kostbaren Blutes von ihrem Hals. Sanft legte ich ihren blassen, leblosen Körper auf den Boden. Es würden noch einige Stunden vergehen, bis jemand vorbeikam und sie dort fand. Vermutlich würde man ihre blasse Haut auf Drogen zurückführen, oder auf Schlaftabletten oder Gift. Die Bisswunde war kaum zu sehen. Eilig sah ich mich um. Es war niemand in der Nähe. Ein letztes Mal küsste ich ihre schwarzen Lippen, bevor ich wieder im Nebel der Nacht verschwand.